Das
Hakenkreuz:
Faschistisches Symbol oder Herz des Buddha?
Unter dem Titel „Gemeint war das Herz Buddhas“
veröffentlichte das Hamburger Abendblatt am 25. August 2000 folgende
dpa-Meldung: „Weil sie 2000 buddhistische Hakenkreuze für nationalsozialistische
Symbole hielten, haben Zöllner am Flughafen Berlin-Schönefeld die
Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die „Svastikas“, die beim „Festival
of Vision. Hong Kong – Berlin“ im Haus der Kulturen der Welt ausgestellt
werden sollten, waren als Windräder konzipiert und sollten an die Besucher
verteilt werden. Der Hongkonger Künstler Danny Yung wollte damit auf
die sich wandelnde Bedeutung des Symbols in China aufmerksam machen: Im Buddhismus
symbolisiert das Hakenkreuz das Herz des Buddha. Der Staatsanwalt habe nach
Klärung des Sachverhalts die Einfuhr zwar genehmigt; dennoch habe die
Festivalleitung auf die Ausstellung der Hakenkreuze verzichtet. Yung stimmte
daraufhin der Vernichtung seines Kunstwerks zu.“ Wird es dazu kommen,
dass auch die Betreiber buddhistischer Zentren, in denen sich, besonders in
den verschiedenen Schulen des tibetischen Buddhismus, das Hakenkreuz als Schmuck
auf Thangkas und dem traditionellen Thronbrokat der führenden tibetischen
Lamas findet, Besuche der Staatsanwälte zu fürchten haben oder womöglich
buddhistische Zentren als Verschwörerzentralen des „Nationalen
Widerstandes“ verdächtigt werden? Das Lexikon der östlichen
Weisheitslehren (O. W. Barth Verlag 1986) notiert unter dem Stichwort Svastika:
,,Skrt., abgeleitet von svasti: ,Glück, Heil‘. Das uralte Svastika-Zeichen,
das Hakenkreuz, wird im Buddhismus interpretiert als Symbol des Rades der
Lehre (dharma-chakra) oder der buddhistischen Lehre im allgemeinen. In China
ist der Svastika Symbol der Zahl 10000, d. h. des Unendlichen, des Ewigen,
das sich im Geist des Buddha offenbart. Daher wird er bei chinesischen Buddha-Darstellungen
auf der Brust in Höhe des Herzens angebracht. – Im Zen symbolisiert
er das ,Siegel des Buddha-Geistes‘ (busshinin), das von Patriarch zu
Patriarch weitergegeben wird.“ Auf Anfrage beim Haus der Kulturen der
Welt in Berlin teilte die Direktion mit, der Rücktransport der Svastika-Windräder
nach Hongkong wäre für den Künstler zu teuer gewesen, der daraufhin
dem Angebot zugestimmt habe, die Svastiken entsorgen zu lassen. Nota bene!
Thomas Illmaier
Ursache & Wirkung, 4/2000, S. 12.