Wie
die Götter der Antike auf Erden dienstbar werden
Skulpturen und Lithographien von Paul Wunderlich bei Mühlenbeck
Von unserem Mitarbeiter Thomas Illmaier
Der im Norden Deutschlands und im Süden Frankreichs beheimatete Künstler Paul Wunderlich stellt Bronzeskulpturen und Lithographien in der Galerie Mühlenbeck aus. Die Skulpturen sind in der Tat wunderlich und die Lithos sind es auch. Ein Gang durch die Ausstellung wird von den Blicken Schopenhauers (Lithographie) begleitet.
Tritt man naher heran, liest man unter Schopenhauers Konterfei
jenen deftigen Merksatz des Philosophen: ,,Mit den Deutschen ist’s nichts,
den klotzigen Eseln!“.
Auch Voltaire und
Rousseau sind lithographisch mit von der Partie und bei der Ausstellung in
einem Bilde (notdürftig) vereint.
Die Skulpturen Wunderlichs
wirken nicht wie klotzige Esel; Deutsche sind es also nicht.
Die Motive für Wunderlichs Figuren entstammen der griechischen Mythologie,
zum Beispiel „Nike“, ,,Minothauros“ oder die „Drei
Grazien“. Auch das Einhorn lebt wieder auf. Die Idee ist also alt.
Wie weilt Nike, die
Siegesgöttin, heute unter uns? In Wunderlichs Bronze hat sie nur einen
Flügel, steht aber ansonsten fest. Sieg der Götter also nicht auf
der ganzen Linie!
Wunderlichs Götter sind dienstbar auch, bieten sich als Gebrauchsgegenstände
an. Gebrauchsgegenstände erhalten ein unwiederbringliches Design, und
allem trotzt ein „Selbstporträt“ – Realität und
Irrealität des Künstlers für 75 Tausend Mark.
Die Ausstellung in
der Elberfelder Galerie Mühlenbeck, Sadowastraße 12 ist bis zum
4. Januar 1992 zu sehen. Öffnungszeiten täglich von 15 bis 18 Uhr
und nach Vereinbarung (Telefon: 313844), auch am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag,
und am Neujahrstag.
Bild: Skulpturen und Lithographien von Paul Wunderlich sind zur Zeit in der Galerie Mühlenbeck zu sehen.
Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 13. Dez. 1991, S. 12.