,Auch ich in Arkadien“‘ Goethes Motto über
seiner ,,Italienischen Reise“ darf nur mutatis mutandis zum Verständnis
der Werke Werner Tübkes herangezogen werden. Denn ein ,,Arkadier“
ist Tübke offenbar nicht, der seine Werke, vor allem Lithographien, in
der Galerie Schwarzkopf, Wuppertal-Barmen bis Ende Mai ausstellt.
Arkadier waren jene
Mitglieder einer in Rom 1500 gegründeten Akademie. Sie hatten im Salon
der Königin Christine von Schweden verkehrt und wandten sich gegen den
Stil der Manieristen. Werner Tübkes Werk entgeht dem Manierismus, seiner
,,normierenden Gefahr“ (Wilhelm Rüdiger) allerdings nicht. Seine
am venezianischen Manierismus geschulten Bilder greifen Elemente der sowjetischen
Schule des Konstruktivismus auf, was bei einem so renommierten Künstler
der ehemaligen DDR nicht verwundert. Werner Tübke, geehrt durch viele
Ämter und Würden der ehemaligen DDR – ihm wurde allein dreimal
der Nationalpreis der Deutschen Demokratischen Republik verliehen –
erhielt in der Honnecker-Ära den staatlichen Auftrag für ein ,,komplexes
Sinnbild mit dominierendem Kunsterlebniswert“. In zehnjähriger
Arbeit entsteht das 14 x 12,3 Meter große Panoramabild zur Identitätsfindung
der DDR, die ,,Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“
im Panorama-Museum bei Frankenhausen, Thüringen.
Was macht ihn, Werner
Tübke, für den Westen so interessant? 1989 gab Werner Tübke
all seine staatlichen Auszeichnungen der DDR zurück, doch kann das als
Begründung seines Ruhms im Westen kaum herhalten. Daß er Gönner
und Freunde fand auch hier im Westen, will man gerne anerkennen. Martin Walser
zum Beispiel schrieb den Text ,,Vom schöneren Tod“ zu Tübkes
Bauernkriegsbildern.
Tübkes Panoramabild
,,Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ für die
Bauernkriegsgedenkstätte bei Bad Frankenhausen wurde 1987 beendet. Diese
Anthologie der revolutionären und geschichtsträchtigen Entwicklungen
Deutschlands im Zeitalter der Renaissance zitiert Bruegel (Bauernbruegel),
Altdorfer, Dürer und Bosch für Tübkes groß angelegte
Bauernkriegsstudie, ein Gemälde, das in zehnjähriger Arbeit und
mit fünfzehn Helfern begonnen, schließlich von Tübke eigenhändig
vollendet wird.
Höhepunkte gibt
es viele. Eigentlich sind es nur Höhepunkte, so daß das Studium
des Werkes ermüdet. Die manieristische Wiederholung, die Formelhaftigkeit
in der Textur, auch in der Zeichnung, vor allem in der bei Schwarzkopf ausgestellten
Lithographie, die sich um das Thema ,,Bauernkrieg“ des großen
Panoramabildes rankt, lassen nur wenig Raum zur Interpretation und erstarren,
teilweise von Tübke gewollt, zur Massenhaftigkeit wie in den in der Galerie
Schwarzkopf ausgestellten Blättern ,,Letzte Wahrnehmungen“.
Tübkes Arbeit
ist auch im Westen heute sehr gefragt: Zur Zeit malt er die Bühnenbilder
zum ,,Freischütz“ an der Oper Bonn aus.
THOMAS ILLMAIER
Bergische Blätter, 10/1992, S. 20.