Die Technik läßt die Farben leuchten
Rumänische Hinterglasmalerei in der Katholischen Hochschulgemeinde
Wuppertal. Eine Liebesgeschichte führte Edeltraut Althaus
nach Rumänien. Ob sich ihr Glück verwirklichte, wissen wir nicht.
Nur so viel wissen wir, daß sie auf der Rückreise vom Karpatenland
eine Kiste mit Ikonen aus dem Kloster Brancoveanu mitbrachte. Und das ganz
legal, indem sie 50 Mark Zoll entrichtete und jedes Stück fotographisch
von den Mönchen des griechisch-orthodoxen Klosters dokumentieren ließ.
Diese Ikonen sind
jetzt in der Katholischen Hochschulgemeinde Wuppertal vier Wochen lang zusehen.
Es handelt sich um besondere Ikonen, in der Technik der Hinterglasmalerei.
Diese Technik gibt den Farben ein leuchtendes Aussehen und Transparenz. Zu
den schönsten Motiven gehören „Der himmlische Christus im
blauen Sternenhintergrund“, „Mutter Maria als Trauernde“,
„Der Heilige Georg“, der ja der Hauptheilige der östlichen
Kirche ist, und andere.
Gepflegt wird diese
Ikonenmalerei im Kloster Brancoveanu am Fuße der Karpaten von einigen
griechisch-orthodoxen Mönchen. Die Malschule im Kloster wurde von Timothei
Tohaneanu gegründet. Er studierte die alte Volkskunst der Ikonen, wie
sie in Rumänien und im ganzen Einzugsbereich der Ostkirche weit verbreitet
ist. Die Farben bestehen aus Öl und pflanzlichen Zusätzen. Das Bild
wird am Ende gefirnißt. Diese Art der Kunst hat regen Zuspruch bei Ausstellungen
in Europa und den USA erhalten, wohl wegen der reinen Farben, die das Gemüt
emporziehen und fröhlich stimmen.
Es handelt sich bei
dieser rumänischen Hinterglasmalerei um Ikonen nach traditionellen Motiven.
Der Kanon ist ja festgelegt. Obwohl es sich um Kopistenarbeiten handelt, sind
die Spuren des Transzendenten aus den Motiven nicht gelöscht, weshalb
sie immer noch als Andachtsbilder dienen. Die Technik der Hinterglasmalerei
kann im Kloster Brancoveanu erlernt werden, verbunden mit einem ,,Urlaub im
Kloster“, der von den griechisch-orthodoxen Mönchen gerne angeboten
wird.
Thomas Illmaier
Rumänische Hinterglasmalerei ist in der Auer Schulstraße 13 noch bis 18. März 1994, täglich bis 18 Uhr (außer am Sonntag), zu sehen.
DER WEG, 10/1994. Bild: „Der Heilige Nikolaus“.