PHANTASIE
COSMIQUE
Ausstellung ,,Das innere Licht“ in der CBB-Galerie
George Harrison (Beatles), der 1968 den Song ,,The Inner
Light“ schrieb, eine Mischung aus Indischer Spiritualität und LSD-Erfahrung,
wußte wohl kaum, daß ,,Das innere Licht“ eine uralte christliche
Lehre ist. George Fox, Führer der englischen Quäker, vertrat die
Ansicht, daß das Reich und das Licht Gottes nirgends als im Menschen
selbst wohnt. Vom ,,inneren Licht“ ist auch in Wuppertal die Rede, wenigstens
noch bis zum 31.8.1992, wenn Jean Penuel mit seiner Ausstellung in der OBB
Galerie zu Ende kommt. Jean Penuel drückt das innere Licht farblich aus.
Penuel weiß etwas von den Ursprüngen religiöser, mystischer
Lichterfahrung, wie sie, nun mit oder ohne LSD, in der Landschaft einer unberührten
Natur gemacht werden kann. Seine Landschaften, für die er die Farben
nach altmeisterlicher Technik kocht, strahlen in der Tat jenen erhabenen Glanz
einer Landschaft im Licht einer anderen Welt aus. Die Farben sind überaus
schön, gepaart mit abstrakten Formen, die jedoch nie aufdringlich oder
gar zwanghaft wirken, sondern gemildert sind durch die sanfte Formgebung des
Schönen. Abstraktionen lösen sich in der Landschaft des inneren
Lichtes auf, was einen sprachlos macht beim Blick in die Ferne jener Phantasielandschaften.
Die Landschaften
des Mönchengladbacher Künstlers atmen, strahlen Leben aus. Der Wunsch,
eine solche Landschaft zu besitzen, führt und verführt einen Maler
zum Manierismus, indem er die geliebte Formenwelt immer und immer wiederholt..
Eine Menge Geist muß schon vorhanden sein, will der Künstler seine
Schemen mit immer neuem Leben
füllen.
Penuel hat Ehrfurcht
vor dem Mysterium der Schöpfung. Seine ,,Frauenbilder“ sind wunderschön.
Sie entstehen aus der Grundform ,,L’ovee“ – aus dem Ei,
das genauso eine Knospe darstellen kann. Aus dieser Knospe erblüht die
Schönheit einer Frau, die in den Bildern bei Penuel zumeist sinnend,
nachdenklich auf Urzeiten zurückzublicken scheint, während sie langsam
erwacht. Für die kosmische Phantasie ist Jean Penuel gleichfalls offen.
,,lnfluence cosmique“ und andere Planetenbilder sind niemals so absent
oder entfremdet, daß der Mensch sich nicht in ihnen wiederfindet und
im Kosmos heimisch fühlen könnte. Penuel ist aber kein Träumer,
er weiß sehr wohl, auf welchem Drahtseil sich der Mensch heute gerade
noch hält und welcher Wahnsinn ihn bisweilen anwandelt.
Thomas Illmaier
CBS Galerie, Obere Lichtenplatzer Str. 236, bis 31. August 1992
Bild: „Kosmos“ von Jean Penuel.
Wupper Nachrichten, 13. Juni 1992.