Gerda NietzerEin Lob auf die Schöpfung singen
Gerda Nietzer und das Geheimnis der Blumen

Ob Lilie, Mohn oder Pfingstrose, Gerda Nietzer lauscht der Blumenpracht auf den Grund – ein schöpferisches Geheimnis, das sich da vergrößert, verschönert und den Betrachter berühren will. Die überdimensional großen Blumen von Gerda Nietzer wirken indessen nicht aufdringlich, sondern paradiesisch: In Gedanken plazieren wir ihre wunderschönen Blumenbilder in den Altarraum einer stillen Kirche. Würden sie dort nicht das Lied der Schöpfung singen? Ein Lob auf das Erhabene, Unwiederbringliche, dem Gesetz der Vergänglichkeit Entrissene. Das Wunderbare ganz in seiner Farbenpracht.
Die Zeichnerin Gerda Nietzer gibt der Malerin Gerda Nietzer die nötige Kontur, so damit die Blumen nicht wie Phantasiegebilde entschweben. Ihr floristisches Auge leiht ihnen die nötige Schwerkraft durch Schwarz, Masse und Form, vor der sich die Pracht des Blumenlebens aus dem Grunde der Schöpfung entfaltet. Die Annäherung von organischen und abstrakten Formen ist, wie Aldous Huxley in seinen ,,Variationen über El Greco“ bemerkt, ,,ein wirkungsmächtiges Kunstmittel (...), um im Bereich des Visuellen die Fähigkeit des Menschen zur Vereinigung mit dem Göttlichen auszudrücken“.

Thomas Illmaier

Gerda Nietzer ,,Graphik und Acrylbilder“ his 8. Oktober in der Galerie Polyprint, Mäuerchen 31-35/Citycenter Elberfeld, geöffnet während der Geschäftszeiten.

DER WEG, 40/1996, S. 6. Bild: „Mohnblumen“ von Gerda Netzer.

 

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