Eine Weltbürgerin in Sachen Kunst
Yael Niemeyer in der Galerie Polyprint


(ti) ,,Weltumspannend“ - wenn Weltbürger heute malen, gehört Yael Niemeyer dazu. Ihr Werk, das derzeit ausschnitthaft, aber in allen Formaten, in Wuppertal – Galerie Polyprint — zu sehen ist, umfaßt tatsächlich alles: Das ganze Selbst der Künstlerin.

,,Der kürzeste Weg zu sich selbst führt um die Welt herum.“ (Graf Keyserling). Yael Niemeyer ist in Boston und in Bielefeld zu Hause und bewegt sich im Reich des Zen-Buddhismus genauso, wie sie sicher den Blick des sterbenden Pharaonen trifft. Yael Niemeyer studierte in Köln und Kassel, wo sie 1966 Meisterschülerin von Fritz Winter wurde. Mit ihm verbindet sie lebenslange Freundschaft, bis der Meister 1976 starb. Fritz Winters Maxime, „es ist mehr da, als wir ahnen und wissen können“, könnte auch als Leitsatz zum Verständnis des Werks von Yael Niemeyer führen.
Ihre Bilder ,,Black Sound“ oder ,,Beyond Horizon“ führen im Titel das Image des Bildes, gehen aber weit über den Titel hinaus.
Technisch perfekt und harmonisch bis zur Vollendung sind Acrylfarben auf nasses Papier aufgetragen, was die leuchtenden Bilder an riesige Aquarelle erinnert. Die Farbstufen, etwa in Blau: vom Parisblaus zum Türkischblau, sind in sich wunderbar harmonisch, obschon aus der Distanz der harmonisierende Komplementärkontrast der Grundfarben fehlt. Das gibt den Bildern eine mitunter schroffe, doch durchgehend wuchtige Präsenz.
Yael Niemeyers Kunst arbeitet im Großen, wie die Panoramen in Email auf dem Duisburger U-Hauptbahnhof zeigen. Die Künstlerin leitet die Sparte Kunst der Musik- und Kunsthochschule der Stadt Bielefeld, wenn sie nicht gerade Lehraufträge in den USA wahrnimmt oder einen Sonnenuntergang über Arizona genießt.

(Galerie Polyprint, Mäuerchen 31-35 im City-Center Elberfeld bis 20. Juni 1992).


Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 13. Mai 1992, S. 25.

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