Blick
für die untrügliche Realität
,,Menschen-Bilder“ von Wolfgang Niederhagen aus Haan im Historischen
Zentrum
Von unserem Mitarbeiter Thomas Illmaier
Das Historische Zentrum Engels-Haus unter der Leitung von Dr. Michael Knieriem besitzt seit mehreren Jahren schon eins der Hauptwerke des Haaner Künstlers Wolfgang Niederhagen.
Dieses Bild, dem Besucher des Engels-Hauses nicht ohne weiteres
zugänglich, zeigt den Maler Niederhagen in seinem Element: Der Auftritt
eines Predigers, der einen ganz bescheidenen Himmel predigt, von dem die andächtig
schlafenden Hörer recht angetan zu sein scheinen, während der verschmitzte
Teufel durchs Fenster guckt. „Menschen-Bilder“, Niederhagens breit
ausgelegtes Oeuvre, ist derzeit im Historischen Zentrum zu sehen. Und was
ist da zu sehen: Zwischen Otto Dixens Kriegsbildern und den „Massendilirien“
eines Renzo Vespignani angesiedelte bergische Sozialkritik! Das ,,Hahneköppen“
erscheint gleich dreimal, mit vertauschen Rollen: Der biedere Dummkopf, einmal
aus dem Häuschen geraten, widmet sich als Nazi immer noch diesem grausamen
Spiel.
Niederhagen hat einen
Blick für untrügliche Realität: Der alte Mensch, auf dessen
Gesicht sich der Acker eines schwergeprüften Lebens spiegelt. Die Grobheiten
der kleinbürgerlich-bäuerlichen Massenspiele, der Schützen-
und Schlachtfeste, der Partys der Generation der 1933er; man wird hier wohl
mit Schlaglichtern und ausgewogenen Schatten hineingeführt.
Die Raumempfindung Niederhagens ist außerordentlich; Ob es sich um den
imaginären Raum „Heimat“ des Heimatdichters, den historischen
Raum der Bergischen Frühindustrialisierung oder um den letzten Raum,
den ,,Lebensabend“ handelt, Niederhagen versagt uns die Transzendenz.
Es gibt kein anderes Leben, sagt uns der Künstler, und das ist wenig
genug. (Historisches Zentrum, Engelsstraße 10, außer Mo täglich
10-13 und 15-17 Uhr noch bis 23. Februar).
Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 13. Febr. 1992, S. 19.