Linda
McCartney
von Thomas Illmaier
Die Frau im Schatten des großen Beatle. So sieht sie
die Weltöffentlichkeit. Linda McCartney, seit 1950 Ehefrau des Songwriters
und Bassisten der Beatles Paul McCartney. Anders als im Fall von John Lennon
und Yoko Ono, die immer eigenständig und als Skandalnudel stets aus dem
Schatten ihres berühmten Beatle ausbrach, schien Linda stets hinter Paul
zu verschwinden. Natürlich sah man das eine oder andere Foto von ihr,
aber was sie wirklich trieb, wußte so recht keiner. Daran änderte
auch ihr Tod 1998 nichts, im Gegenteil.
Linda McCartney wurde
in Scarsdale, New York, am 24. September 1941 geboren. Ihre Passion für
Fotografie entwickelte sich früh. In den sechziger Jahren rückte
sie bald auf zur Starfotografin der Popszene. Die Rolling Stones, Otis Redding,
B. B. King, The Doors, The Grateful Dead, Frank Zappa, The Beach Boys, The
Who, Cream, The Kinks, Traffic, The Byrds, Jimi Hendrix und natürlich
The Beatles ließen sich von ihr fotografieren. So wurde sie die Chronistin
der psychedelischen Revolution, die ohne die Musik der Beatles, Stones, The
Who und Jimi Hendrix nicht denkbar gewesen wäre.
Nach der Heirat mit
Paul zog sie sich auch nicht zurück. Im Gegenteil, sie trat mit ihm auf,
begleitete ihn und spielte mit auf seinen Welttourneen in ihrer gemeinsamen
Gruppe Wings. Diese Tourneen drohten mitunter zu scheitern, weil Paul unterwegs
wegen Besitzes von Cannabis, mit dem er sich für die lange Reise, z.
B. nach Japan reichlich eingedeckt hatte, verhaftet wurde. Später auf
Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt, hat Paul sich auch immer wieder
öffentlich für die Legalisierung von Cannabis eingesetzt. Auch den
„Klassiker“ Paul unterstützte Linda mit künstlerischen
Fotos. So entwarf sie das Booklet zur CD „Standing Stone“ (EMI),
die Ende 1997 erschien und den ehrgeizigen Paul klassische Musik intonieren
läßt.
Einen der größten
Erfolge feierte Linda mit ihren Fotos als Vorlage für Glasfenster. Kirchenfenster
sind schon schön und faszinierend. Wie erst, wenn Glaskunst psychedelisch
wird! In langjähriger Zusammenarbeit mit Brian Clark, der die Glasfenster
nach ihren Fotos schuf, entstanden luzide und eindrucksvolle Glasfenster wie
„Brian Clark and Friend“, „Eight Pauls“ und „Jumping
off Fence“.
Linda McCartneys
Arbeiten sind heute in den großen Museen der Welt zu sehen. Sie stellte
in siebzig Städten und zwölf Ländern aus, schrieb Bücher
und engagierte sich für Tiere und Menschen, wohl wissend, daß ihr
Krebs unheilbar war. Ihre Glasfenster sind in Amerika und Europa im Jahr ihres
Todes 1998 gleichzeitig gezeigt worden: Im gerade erst ins Leben gerufenen
Deutschen Glasmalerei Museum in Linnich (zwischen Aachen und Düsseldorf
gelegen) und in der Bonni Benrubi Gallery in New York. Hier sind ihre Werke
Sommer bis Herbst 1998 zu bewundern gewesen. Darüberhinaus sind auch
Publikationen über Lindas Arbeiten erschienen, auch auf Deutsch, z.B.
der Bildband „Collaborations“, der ihre Zusammenarbeit mit Brian
Clark dokumentiert und ihre wichtigsten Glasfenster vorstellt.
Wer sich näher
für Linda McCartney und ihre Fotokunst interessiert, dem sei ihr jüngster
Bildband „Roadworks“ empfohlen. Erhältlich ist er wie auch
der Bildband „Collaborations“ im Museum Linnich, Tel. ++2462-99170.
Zschr. Hanf, 8/1998, S. 45.
Bild 1: Linda McCartney. Fotografiert von Paul McCartney.
Bild 2: Linda McCartney/Brian Clarke: Eight Pauls.
Bild 3: Linda McCartney/Brian Clarke: Jumping off Fence.
Bild 4: Linda McCartney/Brian Clarke: Brian Clark & Friend.