Selbst Strickmuster wirken als weibliche Waffen
Inken Bojes ,,Waffensammlung“: Der Raum wird zur Drohgebärde

Von Oskar Schlemmers ,,Triadischem Balett“, in dem zuletzt die ,,Schwarzen Kämpfer“ mit furchtdrohenden Waffen auf einem Schachbrettmuster exerzieren, zu Inken Bojes ,,Waffensammlung“ ist nur ein Schritt – in das Atelier- und Galerie-Kollektiv, Berliner Str. 39A. Das Zeigen von Waffen ist eine Schau und gehört zur Selbstinszenierung der Macht. Inken Bojes „Waffensammlung“ trägt diese Schau zu Grabe und belebt sie doch neu.

Die Düsseldorfer Künstlerin installierte ihre Waffensammlung: Das heißt, die Waffen werden in einem Raum so dargeboten, daß der Raum selbst zur Drohgebärde wird. Paradoxien gehören zur Kunst und die Überraschung: Die Waffen selbst sind ausrangiert, aber als wenig gefährliche Relikte aus einer fernen Kriegerzeit wurden sie eigens von Inken Boje geschmiedet. Sie tragen Attribute und Gehänge weiblicher Macht: Phallische Symbole und die um den Speer gewickelte, vielbrüstige Diana von Ephesus gehören dazu. Phallisches jedoch scheint ungefährlich und eher schlapp: Der Schafft jenes Speers ist biegsam und als Angriffswaffe taugt er nicht.
Die Waffensammlung wurde für den Raum des Atelier- und Galerie-Kollektivs eigens installiert. Der Besucher spürt die eigenartige Kraft, die den Raum durchherrscht. Diese Kraft komme vom Schmieden, sagt Inken Boje. Verstärkt wird der Raum durch geometrische Strickmuster an den Wänden, die rhythmisch wiederkehrend den Raum zeichnen. Diese geometrische ,,Strickschrift“, die sich besonders an die Frauen wendet, ist die eigenartige Raum-Setzung der Waffensammlung. Ein Strickmuster, eine Strickschrift, so harmlos?
Die Architektur des Siegers ist geometrisch. Ludwig XIV. wie der Große Friedrich ergingen sich in geometrisch angelegten Gärten. Herrschaft und Macht repräsentieren sich im geometrischen Weltstil. Im Extrem als Kristall wirkt die Kraft der Geometrie tödlich. Geometrische Strickmuster an den Wänden, groß, einen Raum definierend, wirken alles andere als harmlos, und matriarchale Waffen, so gebrochen sie seit langem sind, zeugen neuen kriegerischen Geist. (Bis 13.12. di-fr 17-19 Uhr). Thomas Illmaier


Westdeutsche Zeitung / Generalanzeiger, 4. Dez. 1991, S. 14.


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